2015/2016

tanzjahr16

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„All together now!“

Ein Generationen übergreifendes Tanzprojekt zum Thema „Menschenrechte/ Kinderrechte“ zur Stärkung der Kinder und Jugendlichen in der Region Bad Honnef durch die Förderung künstlerischer Ausdruckskraft – ein Projekt kultureller Bildung.

Teilnehmende Gruppen

Konrad Adenauer Hauptschule Bad Honnef

Theodor-Weinz Schule Aegidienberg

GGS Rhöndorf Europaschule

Löwenburgschule Bad Honnef

Landesschule für Blinde und Sehbehinderte Kinder Neuwied

TV Eiche Kindergarten die Eichhörnchen

St. Martinus Grundschule Selhof

Gebrüder Grimm Grundschule Rheinbreitbach

St. Franziskus Altenheim Aegidienberg

Die Schwerpunkte in diesem Tanzjahr sind Inklusion und Generationen.

250 Kinder und Jugendliche im Alter von 3-16 Jahren bekommen die Möglichkeit, ein Jahr in intensiven wöchentlichen Tanzstunden ihrer Kreativität Ausdruck zu verleihen.

Das Besondere: In Gruppen erleben die TeilnehmerInnen erst einen künstlerischen Entstehungsprozess, bevor alle Gruppen zusammengeführt ein gemeinsames Tanztheaterstück im öffentlichen Rahmen aufführen. Tanz verbindet und soll hier die Chance bieten, ein gemeinschaftliches Ganzes zu erschaffen, während durch den intensiven Prozess trotzdem die persönliche Identifikation mit dem Projekt und dem Stück bestehen bleibt. Das Thema der künstlerischen Arbeit lautet

Menschenrechte – Kinderrechte – MEINE RECHTE!“

Dabei wird vor allem erforscht, wie sich die Einstellung der Menschen über die Jahre verändert hat. Bestandteil der Arbeit wird daher die Integration von älteren Menschen in die Probenarbeit sein. Die Kinder und Jugendlichen treffen im Projektverlauf mehrfach auf Menschen anderer Generationen. Geplant sind gegenseitige Besuche mit Senioren, die ebenfalls wöchentlich tanzen und mit denen Gespräche zum Thema Menschenrechte geführt werden. Ziel könnte auch die Integration der alten Menschen in die Abschlussaufführung sein.

Generationen gemeinsam in Bewegung bringen, von Kleinkindern über Jugendliche bis hin zu Senioren

Grundlage des Projektes ist ein umfassendes Netzwerk in Bad Honnef. Geplant ist die inhaltliche Zusammenarbeit mit dem „Bündnis Familie“ sowie mit der Bad Honnefer Arbeitsgruppe von „Amnesty International“.

Zehn Bildungseinrichtungen werden aktiv mit eingebunden, die Kinder und Jugendlichen nehmen im Klassenverband an dem Projekt teil, während die Themen in den Schul- bzw. Kindergartenalltag zusätzlich integriert werden.

Der TV-Eiche Kindergarten ist an den örtlichen Sportverein angeschlossen und wird von vielen Kindern mit Migrationshintergrund besucht. Des weiteren wird eine integrative Grundschule aus Aegidienberg, mit einer 4. Klasse teilnehmen. In Bad Honnef – Tal bewirkt die Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer Hauptschule, dass vor allem bildungsbenachteiligte Jugendliche in das Projekt integriert werden können. Durch vorangegangene Projekt mit der Hauptschule hat sich bestätigt, dass der Tanz eine „Sprache“ ist welche die Jugendlichen im Alter von 13-16 Jahre gerne wählen. Im Nachbar-Bundesland Rheinland-Pfalz nimmt die Dorf-Grundschule aus Rheinbreitbach mit zwei Klassen des zweiten Schuljahres teil. Außerdem aus Neuwied zwei Klassen mit behinderten Kindern der Landesschule für Blinde. In Honnef kommen nochmals fünf Grundschulklassen der Löwenburgschule, der St. Martinus Grundschule und der GGS Rhöndorf Europaschule mit dritten und vierten Schuljahren hinzu.

Die Rechte von uns Menschen und die von den Kindern können nur gemeinsam gewahrt werden. Die Kinder werden sensibilisiert für Gemeinsamkeit und Gerechtigkeit und erfahren wichtiges über das Leben und die Probleme in vergangen Zeiten und heute. Die Erfahrungen auf sozialer Ebene bekommen im künstlerischen Ausdruck des Tanzes ihr Zuhause. Auf der Bühne zeigen die DarstellerInnen ihre Ideen zum Thema in Choreografien und Szenen. Entstehen soll dabei auch ein qualitatives künstlerisches Endprodukt.

Die Teilnehmer sind aufgefordert, sich mit ihren Wünschen, Ängsten und Lebensentwürfen auseinanderzusetzen und über den Austausch ein gemeinsames Bewegungsvokabular zu finden, welches für die Abschluss-Präsentation genutzt werden kann.

Jede Gruppe findet dabei einen weiter vertieften Schwerpunkt in der Ausgangsfrage, passend zum Alter und zur aktuellen Lebenssituation.

Dabei steht nach der pädagogischen Heranführung an das selbstständige kreative Erarbeiten der eigenen Ideen vor allem der Anspruch einer qualitativ hochwertigen Aufführung im Vordergrund. Unter professionellen Bedingungen, auf einer großen Bühne dürfen die TänzerInnen ihr gemeinsames Stück tanzen. Sie sollen sich an diesem Punkt als Künstler wahr- und ernst genommen fühlen, für die Arbeit entlohnt werden und den Moment von Aufregung, Vorfreude und Stolz erleben können. Diese magischen Momente auf der Bühne können einprägsam für das Selbstwertgefühl sein.

Selbstvertrauen stärken, Bewusstsein schärfen

Der wöchentliche Tanzunterricht fördert sowohl das Gefühl für den eigenen Körper, sowie Fitness, Ausdauer, Musikalität und Koordination, aber auch Kreativität, Selbstverantwortung, Persönlichkeitsbildung, Teamfähigkeit, Eigenverantwortung, Selbstvertrauen und Sicherheit, Mut, Zusammenhalt, Ehrgeiz, Schaffensfreude und Integration. Er soll den Kindern und Jugendlichen neue Denkanstöße geben und ihr ästhetisches Empfinden schulen. Grundlagen der Stunden sind Trainingselemente aus dem Modernen und Zeitgenössischen Tanz, sowie anderen Tanzrichtungen wie z.B. Ballett, Hip-Hop oder auch Aikido, Übungen aus der Theaterpädagogik wie Vertrauensaufgaben in Partnerarbeit und Sprecherziehung oder Schreibaufgaben. Für die Stückentwicklung bekommen die SchülerInnen ein Basiswissen über Improvisation und Tanzkompositions-Methoden vermittelt. Die angeleitete Improvisation ist Ausgangspunkt für Szenen, Rollen und Choreografien. Die TeilnehmerInnen lernen aus ihrer eigenen Kreativität heraus Ideen zu schöpfen und tänzerisch umzusetzen. So entwickelt die Gruppe ihr ganz persönliches Stück, welches jedem Tänzer die Möglichkeit bietet, sich zu entfalten und zu identifizieren.

Tanz ist eine nonverbale, körperliche Kommunikation. Sprache, Religion, sozialer Stand, Aussehen und Geschlecht spielen in der Bewegung keine Rolle. Gerade in der heutigen Zeit fehlt an vielen Stellen oft ein „Ventil“, ein Ort, ein Moment, in dem sie unbefangen sie selber sein dürfen. Viele Kinder stehen durch Familie und Schule sehr unter Druck und nicht selten äußern sich diese Unsicherheiten dann durch „Störverhalten“ oder dem Unangepasst-Sein in Schule und Alltag. Außerdem fehlt es an Bewegung. Vitalität und Beweglichkeit gehen verloren, Unzufriedenheit mit sich und dem eigenen Körper sind oft die Folge. Nach dem Motto, „runter von der Couch und rein in den Tanzraum“ wollen wir unsere Körper und das (Sozial)-Leben wieder in Bewegung bringen.

Tanz ist eine elementare Ausdrucksform des Menschen und er verkörpert die Fähigkeit, sich selbstgenügsam und mal ohne äußeren Input durch „Materialschlachten“ oder der heutigen Medienflut, mit dem eigenen „Ich“ zu beschäftigen. Eine Gabe, die für den weiteren Werdegang von Bedeutung ist und ein Talent, das sich die meisten Eltern von ihrem Kind wünschen.

Eigene Musiktitel und live-Performance

Für das entstehende Stück werden zwei Musiker die Lieder komponieren und gemeinsam mit den TeilnehmerInnen entwickeln. So bekommen die Kinder und Jugendlichen einen weiteren Einblick in künstlerische Schaffensprozesse. Auf der Bühne werden die Songs von den Musikern live performed, wobei auch hier das Mitwirken der TeilnehmerInnen denkbar ist. Die Musikpädagogin Regine Held begleitet zusätzlich die Proben vor Ort und gibt den Kindern wichtige Grundlagen der Musikalität mit in die choreografische Arbeit.

Bespielung eines spannenden Ortes

Für die Aufführung ist die Bespielung eines ungewöhnlichen Ortes geplant.

Der Ort ist bewusst derzeit noch offen gelassen, um den TeilnehmerInnen eine Mitgestaltung und Entscheidung möglich zu machen.

Erprobtes Team und fachliche Evaluation

Das Projekt wird von qualifiziertem Fachpersonal realisiert.

Die Tänzerin und Choreografin Anna-Lu Masch arbeitet seit vier Jahren mit Kindern und Jugendlichen in der Region Bad Honnef und betont immer wieder die Wichtigkeit der kulturellen Bildungsarbeit in ländlichen Regionen. In den letzten Jahren konnten Ihre Projekte immer mehr „Fans“ finden. Begleitet wird sie von der Tanztherapeutin und Anthropologin Aruna Dufft und als Assistentin von der Kulturpädagogin Mara Dewenter. Aus Köln kommt die Tänzerin Stefanie Schwimmbeck zusätzlich für einige Stunden hinzu. Die Arbeit im Zweierteam hat sich für die Intensität und Qualität derartiger Projekte in den letzten Jahren sehr bewährt. Gerade bei Kindern und Jugendlichen, denen eine solche Arbeit neu und anfangs fremd erscheinen könnte, kann das Bedürfnis einer zeitweiligen Einzelarbeit gegeben und somit möglich sein. Aruna Dufft begleitet im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Forschungstätigkeit das Tanzprojekt seit Beginn. Die erhobenen Daten sollen vor allem über die Projektdatenbank des „Bundesverbandes Tanz in Schulen e.V.“ sichtbar gemacht werden und dienen der Evaluation des Projekts. Zusätzlich begleitet Nicole Finkbeiner als erprobte Tanz-Fotografin die Stunden. Mit ihrer Kamera fängt sie besondere Momente ein und erstellt Zeugnisse der Entwicklung. Geplant ist eine Ausstellung der fotodokumentarischen Begleitung zum Ende des Projekts, auf welcher auch die filmischen Fragmente ausgewertet präsentiert werden. Zusätzlich werden die Aufführungen gefilmt und als Video präsentiert.

Das Team arbeitet seit 2012 regelmäßig an Tanzprojekten und konnte so ein vielfältiges Netzwerk für ihre Arbeit in der Region aufbauen.